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3/11/10; 2:23:25 AM
 

Excerpt: Werner Schweibenz: Das virtuelle Museum...


Werner Schweibenz: Das virtuelle Museum ˆ Überlegungen zum Begriff und Wesen des Museums im Internet.
Vortrag anläßlich der MAI-Tagung, Mai 2001 in Hagen.
http://www.phil.uni-sb.de/fr/infowiss/projekte/museum/mai_virtuelles_museum.pdf

Das traditionelle Museumbefindet sich unter dem Einfluß der Informationstechnik im Wandel zur Memory Institution. Diese Memory Institution ist eine Zusammenfassung von digitalisierten Informationen aus Archiven, Bibliotheken und Museen zu einer Institution des kollektiven Gedächtnisses für das Erbe der Menschheit im digitalen Raum des Internets. Am Ende der Entwicklung vom traditionellen zum virtuellen Museum könnte das virtuelle Weltmuseum als Realisierung des "Museum ohne Wände" nach Andre Malraux stehen.

Anregungen zum Nachdenken über das virtuelle Museum, indem der Wandel des Museums zur Memory Institution skizziert wird und die Idee des Museuem ohneWande auf das Internet überträgt.

  • Das Konzept des Museums geht nach dem Museologen Ivo Maroevic zurück auf den antiken Musentempel und beinhaltet sowohl die Spiritualität von Kunst und Wissen als auch die Aufgabe als erzieherisches Medium zu wirken. Was alle Museen gemeinsam haben und hatten, ist nicht das Organisatorische, das Strukturelle, sondern der Beweggrund ihrer Existenz. Von seiner organisatorischen Struktur her ist also dieses Phänomen nicht zu fassen und daher auch nicht zufriedenstellend definerbar. Waidacher bringt eine andere Definition in die Diskussion ein, die weniger das Organisatorische betont als viel mehr den Beweggrund des Museums, nämlich das Zugänglichmachen von Objekten für den Besucher zur Inspiration, zum Lernen und zur Freude.
  • Untited Kingdom Museums Association (http:www.city.ac.uk/artspol/mus-def.html):
  • "Museums enable people to explore collections for inspirations, learning and enjoyment. They are institutions that collect, safeguard and make accessible artefacts and specimens, which they hold in trust for society"
  • Neben das Objekt, das traditionell Dreh- und Angelpunkt des Museums war, tritt also verstärkt die Information und Kommunikation von Wissen. Die Bedeutung des Objekts wird relativiert zu Gunsten der Idee, die ihm zugrunde liegt. Waidacher spricht von einer Tendenz zur Konzeptionalisierung und einer Konzentration auf die Idee, die dem Objekt zugrunde liegt und wichtiger wird als das materielle Objekt selbst. Das Abrücken vom Objekt zu Gunsten der Information macht eine Neubestimmung der Position des Museums erforderlich.
  • Das authentische und originale Objekt ist das Kernstück des traditionellen Museums.
  • Der Zugriff auf elektronisch verfügbare Informationen und gemeinsame Forschungsinteressen treten mit der zunehmenden Digitalisierung von Archiven, Bibliotheken und Museen in den Vordergrund. Die gemeinsame Aufgabe von Archiven, Bibliotheken und Museen ist also die Bewahrung von Erinnerungen der Menschen und die Weitergabe an künftige Generationen.
  • "Am Horizont erscheint ein virtuelles Weltmuseum, das von jeder Couch aus, soweit sie über einen entsprechenden Anschluß verfügt, zu jeder Zeit erreichbar ist, und das tendenziell alle Bilder und Gegenstände enthält, die museal oder privatkapitalistisch auf den 5 Kontinenten aufbewahrt werden ˆ unterschiedlich ausgestattet mit Informationen, Interpretationen und Animationen." (Eckhard Siepmann)
  • Das virtuelle Weltmuseum, das Siepmann beschreibt könnte als digitales Museum ohne Wände im Internet realisiert werden.
  • "Building digital museums is to reveal the essential nature of museums. The digital museum is an intersting hybrid of the culture that needs no museum and the culture that relies on them. The collective memory that digital museums represent is much like the culture that keeps ist cultural identity in ist head. Dematerializing objects and creating virtual buildings that anyone with a computer and a modem can visit makes the traditional museum into a transactional space.
  • Das digitale Abbild eines Objekts im virtuellen Raum ist eine Reflexion. Damit wird die Frage nach dem Verhältnis von Original und technischer Reproduktion relevant.
  • Die Fotografie kann Ansichten des Originals hervorheben, die nur der verstellbaren und ihren Blickpunkt willkürlich wählenden Linse zugänglich sind, nicht aber dem menschlichen Auge, ebenso lassen sich mittels Vergrösserung oder der Zeitlupe Bilder festhalten, die sich der natürlichen Optik entziehen. Außerdem kann die Fotografie das Abbild des Originals in Situationen bringen, die dem Original selbst nicht erreichbar sind.
  • Die digitale Reproduktion kann nicht nur entsprechend den jeweiligen Informationsbedürfnissen flexibel gehandhabt werden, sondern sie kann mit anderen digitalen Objekten und Informationen zusammengeführt werden. (> Vergleich!)
  • Das virtuelle Museum betont den informationellen Wert des Objekts, das abgebildet wird und unterstützt den Paradigmenwechsel vom Museumsobjekt zur Museumsinformation.
  • "When we are collecting objects we are collecting information" "The traditional museum piece, an item, a three-dimensional fact, is only a datum among a complex of museum information, of a message. We do not have museums because of the objects they contain but because of the concepts that these objects help to convey" (Tomislav Sola)
  • Ähnlichen Standpunkt vertritt Eilean Hooper-Greenhill, dass künftig in Museen Ideen wichtiger werden als Objekte und der Fokus auf Themen, Ideen und Beziehungen liegen wird. Als konsequente Fortentwicklung dieser Gedanken wird das Museum als "Informationsversorgungsbetrieb" betrachtet und Museen sollten ihre wichtigste Ressource in Informationen statt in Objekten sehen.
  • Eine Voraussetzung für das VM sind digtiale Surrogate realer Objekte. Im Rahmen der Digitalisierung von Objekten ist es aber nicht ausreichend, Objekte zu scannen und damit in digitale Form zu überführen, sondern es ist notwendig, einen Kontext zu schaffen und Informationen zu organisieren und zugänglich zu machen, sowohl im technischen als auch im inhaltlichen Sinn. Deshalb ist Digitalisierung nicht nur das Erstellen eines digitalen Objekts, sondern umfasst eine weite Spanne von zusammenhängenden Maßnahmen, die eine umfassende digitale Repräsentation des Objektes erzeugen.
  • "The issues of storage, retrieval, and interaction beg many questions: What can you do with a digital museum? Does the digital museum act as an electronic playground, allowing museum data and representation to become a ressource for the creation of new art and critical thinking? Does this create a pro-active audience that is not a passive appreciation audience but a creative audience?" (Davis)
  • Die Aktivierung des Publikums ist für das Museum von besonderem Interesse, da er in der Museumspädagogik bereits als zentrales Anliegen des Museums der Zukunft erkannt wurde. "The digital museum can be visitor-centered rather than curator-centered.
  • 3 wichtige Kriterien für virtuelle Museen:
    (1) Verbindung digitaler Objekte und Informationen sowie Interaktionsmöglichkeiten für die user
    (2) nicht nur der technische Zugang ist von Bedeutung sondern auch der inhaltliche durch entsprechende Erschließung und Aufbereitung.
    (3) Zugang zu Museumsinformation im Internet macht nur Sinn, wenn ein informationeller Mehrwert erzeugt wird.
  • Deshalb soll bei der Aufbereitung der Kontext ins Zentrum gestellt werden und von den Objekten abgerückt werden. "Instead of leading with the object, lead with the story of the culture, historical context, people and places and their importance. Tell engaging stories with objects woven through them" (Kevin Donovan)
  • Begriff "Connectedness" (Glen Hoptman) "..it enriches information searches and publications as educational learning resources.
  • Hoptmans Konzept der Connectedness ist ein Ansatz, der sich eigentlich auf den Besuch im Museum bezieht und beispielsweise dadurch verwirklicht werden kann, dass das Original im Zusammenhang mit digitalen Repräsentationen von verwandten Objekten gebracht werden kann, die sich an verschiedenen Orten oder in Depots befinden oder aus anderen Gründen nicht zugänglich sind.
  • Das bedeutet, dass durch einfaches Verlinken das Angebot des eigenen Museums mit den jeweiligen Angeboten anderer Museen verbunden werden kann und so ein virtuelles weltumspannendes Museum entstehen kann. Erst das Ausgreifen des Museums über seine eigenen digitalen Bestände hinaus auf die von anderen Museen erlaubt es, Sammlungsgegenstände in einem erweiterten Kontext darzustellen. Hierin sieht auch Sola das Potential der Informationstechnik für Museen. Für ihn sind durch die Isolation der Museen die vereinzelten Daten sinnlos. Erst das Zusammenfügen läßt sie zu wirklicher Information werden. Deshalb fordert Sola ein "totales Museum" mit Hypermedia und Interaktivität, in dem "all traditional limitations must fall making possible museums without walls, curators outside Museums, museum actions and museum objects in situ and in use". Diese Möglichkeit der Verknüpfung und die Flexibilität der Kommunikation und Interaktion bezüglich der Interessen der Online-Besucher bietet das VM. Internet erlaubt eine Zwei-Wege-Kommunikation zwischen Museum und den Online-Besuchern. Das wird vor allem in der künftigen Entwicklung des VM eine zentrale Rolle spielen.



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Letztes update: Wednesday, July 2, 2003 at 4:57:17 PM 2010
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