Europa fördert Museen
Der neue Aufruf im Rahmen des Förderprogramms KULTUR 2000 für das Jahr 2004 liegt nun vor. Er wurde veröffentlicht im Amtsblatt der Europäischen
Gemeinschaft C 195 vom 19.08.2003.
Schwerpunkt dieser Ausschreibung ist der Bereich Erhalt des kulturellen Erbes. Es werden jedoch auch einige Projekte aus der bildenden und der darstellenden Kunst unterstützt sowie der Bereich Buch, Lesen und Übersetzung. Die Zuschüsse variieren zwischen 50.000 und 150.000 Euro pro Jahr bei einjährigen und bis zu 300.000 Euro bei mehrjährigen Projekten. Der Zuschuss darf dabei maximal 50 bzw. 60 % der Projektkosten betragen.
Die offiziellen Unterlagen sind in deutscher Sprache auf der Homepage des Deutschen Kulturrates unter dem Link "Förderprogramme" abrufbar :: http://www.kulturrat.de/ccp
Mit Blick auf das Jahr 2004 sollten sich Museen in besonderem Maße durch das europäische Kulturförderprogramm KULTUR 2000 angesprochen fühlen. Der inhaltliche Schwerpunkt der nächsten Ausschreibung wird dann auf dem Erhalt des kulturellen Erbes liegen. Rund 90 einjährige und gut ein Dutzend mehrjährige europäische Kooperationsprojekte aus den Bereichen bewegliches, unbewegliches sowie "immaterielles Erbe", also Kulturgeschichte, werden in 2004 gefördert.
Die einjährigen Projekte, die unter der Überschrift "innovative und/oder experimentelle Maßnahmen" stehen, müssen von Partnerorganisationen aus mindestens drei Ländern konzipiert, durchgeführt und kofinanziert werden. Sie können mit 50 000 bis 150 000 Euro bezuschusst werden, sofern damit 50% des Gesamtbudgets nicht überschritten sind.
Bei den mehrjährigen Kooperationen, an denen Organisationen aus mindestens fünf Ländern beteiligt sind, beträgt die Förderung bis 60%, wobei die Summen zwischen 50.000 und 300.000 Euro pro Jahr liegen. Die mehrjährigen Kooperationen weisen in jedem Fall eine vertragliche Bindung untereinander vor, die notfalls justiziabel ist, für alle anderen Projekte ist dies zumindest zu empfehlen. Ein ausgeglichener Finanzierungsplan muss bei Antragstellung ebenfalls vorliegen.
Was wird gefördert?
Bei den Projekten zum Erhalt des kulturellen Erbes könnte es gehen um historische Archive und Bibliotheken, um archäologische Funde (auch unter Wasser), um Kulturdenkmäler und Kulturlandschaften sowie Kulturgeschichte - Stichwort "gemeinsame Wurzeln". Handeln sollte es sich um
o Konservierungs-, Restaurierungs- oder sonstige Fördermaßnahmen an Monumenten oder Denkmälern von europäischer Relevanz in den beteiligten Ländern,
o Weiterbildungsmaßnahmen im Sinne von Informations- und Erfahrungsaustausch von Fachleuten bei der Anwendung von traditionellen bzw. neu zu entwickelnden Restaurierungs- und Konservierungstechniken oder aber
o Maßnahmen, die das breitere Publikum, vor allem junge Menschen sowie Bevölkerungsgruppen mit besonderen Bedürfnissen, an Objekte des kulturellen Erbes heranführen.
In allen beteiligten Ländern sollen möglichst innovativ geartete "events", also Aktionen oder Maßnahmen stattfinden, die das öffentliche Interesse des breiten Publikums, vor allem von jungen Menschen, an dem betreffenden Kulturerbe wecken bzw. vertiefen. Außerdem sind diesbezüglich Wanderausstellungen in all den beteiligten Ländern gefordert, es sei denn, der Projektgegenstand verbietet dies. Mobilität der Fachleute und Beteiligung von jungen Menschen an spezifischen Maßnahmen sind hier also vor allem gefragt.
Neu ist, dass die Organisation von Kongressen oder Symposien und Seminaren sowie die Produktion von CD-ROMs nicht mehr als vorrangiger Projektinhalt akzeptiert werden. Wissen muss man zudem, dass es sich in jedem Fall um Projektmittel, nicht jedoch um Investitionsmittel handelt. Aus den maximalen Fördersummen wird ohnehin deutlich, dass es eher darum geht, beispielsweise gemeinsam innovative Methoden oder Präsentationsweisen zu erarbeiten, Verfahrensweisen auszutauschen, einen neuen Blick auf gemeinsame Geschichte zu werfen, ggf. Sammlungen zusammenzufügen, eine bestimmte historische Stätte der breiten Öffentlichkeit näher zu bringen usw., als ganz konkrete Restaurierungsmaßnahmen im großen Umfang zu realisieren.
Als Querschnittsthemen formuliert, liest sich dies im Text folgendermaßen:
o Zugang der Bürger zur Kultur und Bürgernähe
o Einsatz neuer Technologien bzw. Medien im kulturellen Schaffen
o Tradition und Innovation: Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Großer Wert wird außerdem auf den oft zitierten "Europäischen Mehrwert" gelegt, den "zusätzlichen europäischen Nutzen", den der Europäische Rat kürzlich per Beschluss definiert hat.
Hilfe bei der Antragstellung
Auf alle relevanten Termine wird über den E-Mail-Infodienst des Cultural Contact Point (CCP), der nationalen Kontaktstelle für das europäische Kulturförderprogramm hingewiesen, in den man sich bei Interesse eintragen lassen kann. Nach der Veröffentlichung der Ausschreibung können die Original Antragsunterlagen und aktuelle, praxisnahe Tipps und Hinweise von der Internetseite des Cultural Contact Point herunter geladen werden. http://www.kulturrat.de/ccp.
Eine gute Orientierung über den geforderten Projekttypus und manche Anregung zu eigenen Initiativen bieten die Listen der in den vergangenen Jahren durch die Kommission geförderten Projekte, die ebenfalls auf der genannten Internetseite zu finden sind.
Es ist empfehlenswert, frühzeitig mit dem Cultural Contact Point zu klären, ob bestimmte Projektvorhaben für die Antragstellung in Betracht kommen. Ist dies der Fall, kann man mit intensiver Begleitung und Hilfestellung des CCP rechnen. Anderenfalls wird man ggf. auf aussichtsreichere Alternativen gewiesen. So gibt es z.B. das Handbuch "Europa fördert Kultur", das rund 70 für Kulturprojekte nutzbare Förderprogramme der Europäischen Gemeinschaft mit Fundstellen und Projektbeispielen vorstellt (http://www.kupoge.de).
Suche von Projektpartnern
Vielfach werden sich verwandte Museen in Europa bereits kennen. Dennoch lohnt die Recherche nach weiteren in Frage kommenden Projektpartnern, z.B. über das Internet. Dort werden verschiedene Kooperationsbörsen kostenlos angeboten. Zu nennen ist da zum einen das Netzwerk der europäischen Museumsorganisationen NEMO, in dem unter http://www.ne-mo.org/partner Projekte registriert oder recherchiert werden können.
Die europäischen Cultural Contact Points haben ihrerseits unter http://agora.mcu.es/pcc/index.htm eine Interentdatenbank für KULTUR 2000-Projekte eingerichtet.
Wie groß sind die Erfolgsaussichten? In den ersten drei Jahren von KULTUR 2000 wurden von rund 2.000 eingegangenen Anträgen ca. 700 bewilligt, davon 600 einjährige und etwa 100 mehrjährige. Durchschnittlich waren fünf Länder an jedem Projekt beteiligt. Gute europäische Kooperationsprojekte, die aus dem Rahmen des Üblichen etwas herausragen, haben also durchaus eine Chance auf Förderung.
Nähere Informationen bei Sabine Bornemann, Referentin Cultural Contact Point Germany, Weberstrasse 59 a, 53113 Bonn, Tel.: 0228/2013527, Fax: 0228/2013529, ccp@kulturrat.de, http://www.kulturrat.de/ccp.
Sabine Bornemann
Cultural Contact Point
Bonn
Quelle ::: Deutscher Museumsbund ::: http://www.museumsbund.de/
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