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7/30/10; 11:13:39 AM
 

Museologie allgemein


Verschiedene Standpunkte zu Museums-/ausstellungsarbeit allgemein:

Zusammenfassung dank Sandra Dietrich

Gegen den Ewigkeitsanspruch: Glass in Friedrich Waidacher aus Handbuch der Allgemeinen Museologie 1993

Erlebnis als Ziel musealer Arbeit: Waidacher

Ähnlichkeiten zwischen Museen und Medien: Roger Silverstone, 1998

Argoski, 1995: "repurposabilty"

Baudrillard: Das Verschwinden der Wirklichkeit

Bennett: Ausstellungen=kultureller Text

Waidacher: Freude, Muse, Sammlung vs. Zerstreuung

Waidacher: Museale Präsentation

Gary Edson: Subjektive Nützlichkeit

Waidacher: Fragen und Anforderungen an zeitgemäßes Museumsmanagement


  Glass: Gegen den Ewigkeitsanspruch
"Das moderne Museum sollte aufhören, den Eindruck zu vermitteln, als sei es ein Ort vergegenständlichter historischer Wahrheit, das mit seinen siebgedruckten Beschriftungstafeln auf Aluminium und betont sachlich gehaltenen Texten einen gewissen Ewigkeitsanspruch suggeriert. Eine glaubwürdige Präsentation heißt für mich auch, daß die Museumsleute ihren Standpunkt deutlich machen, dass sie offen legen, warum sie diese Dinge ausstellen, und warum sie sie gerade so und nicht anders ausstellen. Die Dinge können ruhig effektvoll ins Licht gerückt werden,aber das Publikum sollte auch sehen können, aus welcher Richtung die Scheinwerfer leuchten. Das Museum sollte sich weiterhin in der Öffentlichkeit nicht als eine quasi zeitlose Institution darstellen, sondern gerade seine Zeitgebundenheit darlegen. Aus der Präsentation sollte hervorgehen, dass dieses Museum zu einem bestimmten Zeitpunkt von Menschen eingerichtet wurde, die gerade diese Fragen an die Geschichte stellten, andere dafür nicht".


  Friedrich Waidacher: Erlebnis als Ziel musealer Arbeit
"Nicht das Sammlungsobjekt selbst, sondern das Erlebnis, das es in uns hervorruft, ist das Ziel aller musealen Arbeit .... Vermittlung durch Präsentation konkreter authentischer Objekte ist die ureigenste museale Ausdrucksweise ... Sie verlangt von den BetrachterInnen aktive Beteiligung, eine spezielle Art von emotioaler und wahrnehmender Aufmerksamkeit ... Besondere soziale Aufgabe des Museums ist es Erlebnischancen zu bieten und nicht nur Gegenstände zu präsentieren ... Idealziel der musealen Ausstellung ist es, das Publikum an das "forschende Sehen" heranzuführen ... Ermunterung zu schöpferischen Auseinandersetzung ... positives Ausstellungserlebnis ... Lernen im Museum kann nur ein Angebot zur freien Wahl sein, die auf den eigenen Neigungen der BesucherInnen beruht... Das Museum ist auch ein Ort des Lernens, aber keinesfalls des Lehrens... Ein Objekt kann als "Gruppe von Aussagen" angesehen werden... Wenn die entscheidenden Merkmale eines Objektes nicht sinnfällig gemacht werden, so ist es trotz aller Authentizität nutzlos, unverständlich, verwirrend und schlimmer als gar kein Objekt .. Die Gestaltung einer musealen Präsentation muß die Grundregeln der Wahrnehmung befolgen, aus denen hervorgeht, auf welche Weise Formen und Farben unsere Sinnesauffassung bestimmen... Ziel musealer Arbeit ist Interpretation, eine verstehende Auslegung

  • Jede Interpretation, die das Präsentierte nicht zu einem Teil mit er Persönlichkeit oder der Erfahrung der BesucherIn in Beziehung setzt, ist steril. (Brücke zwischen Vergangenheit und dem Jetzt)
  • Information selbst ist noch nicht Interpretation. Interpretation ist Aufklärung, die auf Information beruht.
  • Hauptzweck der Interpretation ist nicht Belehrung, sondern Herausforderung
  • Interpretation, die sich ausdrücklich an Kinder wendet, darf keine verwässerte Interpretation für Erwachsene sein. Sie muß einer grundlegend anderen Methode folgen.
  • Gute museale Interpretation und Kommunikation rückt den Menschen ins Bild, spannt einen großen Erzählbogen über die Fülle des Gezeigten, abstrahiert, spricht eine einfach verständliche Ausstellungssprache, kennt die geltenden Verhältnisse ˆ vom "Zeitgeist" bis zur Publikumsstruktur.


  Roger Silverstone: Ähnlichkeiten zwischen Museen und Medien
"museums are in many respects like other contemporary media. They entertain and inform; they tell stories and construct arguments; they aim to please and to educate; they define, consciously or unconsciously; effectively or ineffectively, an agenda; they translate the otherwise unfamiliar and inaccessible into the familiar and accessible."


  Argoski: Repurposability
The goal will be, that the information collected by the museum will "be reused in a variety of ways and through different media". Argoski calls this "repurposabilty" and thinks it of prime importance to the "virtual museum".


  Baudrillard: Das Verschwinden der Wirklichkeit
Baudrillard geht davon aus, daß die Wirklichkeit, das Reale mehr und mehr verschwindet, an ihre Stelle treten Simulation und Hyperrealität. Die Simulation bezeichnet »die Substituierung eines Realen durch Zeichen des Realen«29 und er nennt als Schritte der Museifizierung eines Gegenstandes seine Stillegung durch das Sammeln, seine Verdoppelung in der Replik, seine Exhumation in der Konservierung und Restaurierung. Diese »Spirale der Künstlichkeit« erreicht eine vierte Stufe, wenn ehemals musealisierte Gegenstände wieder in Gebrauch genommen, sozusagen repatriiert werden. Der letzte Schritt ist die Hyperrealität, in der die Objekte nach dem Vorbild der Realität neu geschaffen werden, zum Beispiel in der Inszenierung einer Ausstellung30. Baudrillards Interpretation geht über die Museumswelt hinaus und zeigt, daß »heutige Wirklichkeit [...] Hyperrealität [ist]: In ihr ist der Unterschied von Realität und Reproduktion, Wirklichkeit und Kunst überschritten. Heute geht die Reproduktion - als ihr Strukturprinzip - der Wirklichkeit schon voraus«31. Museen treten hier als gesellschaftliche Akteure auf, die Formen von Wirklichkeit produzieren und präsentieren. Baudrillards Überlegungen weisen neue Wege für die Arbeit von Museen im virtuellen Raum. Das Objekt im Museum ist, folgt man Baudrillard, ebenso authentisch wie die Reproduktion eines Objektes in einer online-Ausstellung.


  Bennett: kultureller Text
Das Museum tritt in Bennetts Ansatz mit seinen Formen der Argumentation als Diskursinstanz auf: Ausstellungen werden als kultureller Text gelesen und ihre Produktion und Präsentation mit politischen Implikationen verknüpft.


  Waidacher: Freude vs. Zerstreuung
Museen hingegen sind auf Nachhaltigkeit hin geschaffen. Nicht zerstreuen sollen sie uns, sondern sie sollen uns im Gegenteil dabei helfen, uns zu sammeln. Das hat überhaupt nichts mit Spaß zu tun, sondern mit Freude. Freude hat Tiefe, sie hat Dauer und kann sich auch selbst weiternähren. Sie ist es, aus der Museen auch ihre Legitimation ableiten.

Dazu Moritz SCHLICK: " Nur hüten wir uns, die Freude, von der des Lebens Wert abhängt, mit ihrem Surrogat zu verwechseln, dem bloßen Vergnügen, jener flachen Lust, von der Schiller sagte, daß sie das leere Angesicht der Sterblichen glätte. Das Vergnügen ermattet, während die Freude erfrischt; diese bereichert, jenes gibt dem Dasein einen falschen Putz. Beide zwar lenken uns ab von der Alltagsarbeit, aber sie tun es auf verschiedene Weise: das Vergnügen, indem es uns zerstreut, die Freude, indem sie uns sammelt. Zerstreuung bietet dem Geist flüchtige Erregung ohne Tiefe und Gehalt; zur Freude bedarf es mehr, dazu ist ein Gedanke, ein Gefühl nötig, das den ganzen Menschen ausfüllt."


  Waidacher: Museale Präsentation

Museale Präsentation, die Königsdisziplin des Museums, ist Mitteilung und Beweis durch Vorzeigen von Exposita, also von Musealien, die nach diachronischen und synchronischen Gesichtspunkten für bestimmte Zeit aus einem Sammlungsfundus gehoben und der Öffentlichkeit vorgeführt werden.

Dem Phänomen Präsentation kann man überhaupt nur gerecht werden, wenn man versteht, daß jedes einzelne Objekt polyvalent ist, daß es für sich ein Bündel von möglichen Aussagen darstellt. Es kann verschiedenste Bedeutungen tragen und kann daher auch nicht in seinem Wesen erfaßt werden, wenn man es einfach nur als Baustein eines größeren Darstellungszusammenhanges betrachten will: groß, klein, nahe, fern, hell, dunkel, eckig, rund, hart, weich und wie die Kategorien noch heißen mögen. In einer musealen Ausstellung geht es eben nicht darum, daß irgendein Ding in bestimmter Weise gezeigt wird, sondern ein Individuum, ein unverwechselbarer und unersetzbarer Sachzeuge für eine ganz bestimmte Wirklichkeit.

Museale Präsentation steht als künstlerisches Ereignis in diametralem Gegensatz zu wissenschaftlicher Darstellung. Museales Präsentieren heißt freies Gestalten, ja bewußtes Übertreten von Grammatik und Didaktik, Transzendieren der Logik, vor allem heißt es auch Weglassen. Daher ist auch der einzig fruchtbare Zugang zur musealen Ausstellung, sie als Synthese von Wissenschaft und Kunst zu verstehen.


  Gary EDSON: Subjektive Nützlichkeit
" Das Museum als eine gemeinnützige Organisation produziert subjektive Nützlichkeit, emotionale Erfüllung und kulturelle Bereicherung. Obwohl diese immateriellen Werte nicht meßbar sind, besitzen sie großen Wert. Die Menschheit hat aus der Leistung nicht-gewinnbringender Organisationen Nutzen gezogen und tut dies weiterhin. Neue Ideen, Pläne, Projekte und unzählige publikumsorientierte Initiativen sind von dort gekommen. In unserer gegenwärtigen chaotischen gesellschaftlichen Umwelt ist das humanisierende Wirken von Museen und anderen gemeinnützigen Einrichtungen notwendiger als je zuvor."


  Waidacher: Fragen und Anforderungen an zeitgemäßes Museumsmanagement

  • Spiegeln sich in den Entscheidungsstrukturen im Museum die Auffassung von Gesellschaft und Kultur wieder, die in Ausstellungen präsentiert wird?
  • Können Museen öffentliche Diskussionsforen sein, wenn ihre eigenen Entscheidungsstrukturen hierarchisch gegliedert sind?
  • Wie haben die Beschäftigten an Entscheidungen über Ausstellungsthemen teil?
  • Wird das Publikum oder die Öffentlichkeit in die Entscheidungsprozesse des Museums einbezogen?
  • Wie verändern sich Planungsprozesse, wenn neue Anforderungen an das Museum gestellt werden, die neue Aufgaben wie Öffentlichkeitsarbeit oder Sponsorenakquisition und neue Stellen dafür notwendig machen?
  • Reagiert das Museum auf gesellschaftliche Veränderungen?
  • Regt das Museum selbst Veränderungsprozesse an?


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Letztes update: Saturday, November 22, 2003 at 9:29:31 PM 2010
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